
«Inmitten unsicherer und herausfordernder Zeiten ist die Zementindustrie bereit, mit grossem Effort einen Beitrag zur Prosperität der Schweiz zu leisten – aus Verbundenheit mit dem Schweizer Industriestandort und der Verantwortung, auch kommende Generationen mit dem wichtigen Baustoff Beton zu versorgen.»
Direktor cemsuisse
Präsident cemsuisse
Geschätzte Leserinnen und Leser
Die Welt befindet sich im Wandel – und das nicht erst seit Kurzem. Etablierte Handelssysteme und die internationale Weltordnung geraten aus den Fugen. Und auch die soziale Kohäsion steht auf dem Prüfstand. Angesichts der drohenden Herausforderungen für kommende Generationen löst die aktuelle Lage bei vielen berechtigtes Unbehagen aus. Die geopolitische Sicherheit, der uneingeschränkte freie Warenhandel und damit die wohlstandsmehrende Arbeitsteilung über Kontinente scheinen beinahe vorbei. Umso wichtiger, dass sich die Schweiz jetzt auf jene Stärken zurückbesinnt, welche unser Land im Kern zusammenhalten und den Wohlstand sichern. Dazu zählen insbesondere Innovationskraft, hohe Produktivität sowie politisch stabile und investitionsfreundliche Rahmenbedingungen. Es sind die Treiber der freien Marktwirtschaft und damit des Wohlstands, welche die Schweiz zukunftsfähig machen. Dazu gehören eine gut erhaltene Infrastruktur, wettbewerbsfähige Energiekosten, eine intakte Umwelt, funktionierende und politisch stabile Institutionen sowie ein zurückhaltender Staat. Dies sind zentrale Voraussetzungen, um die Schweiz durch die herausfordernden Zeiten zu manövrieren und den kommenden Generationen eine prosperierende Schweiz zu hinterlassen.
Als Schweizer Zementindustrie sind wir nicht nur auf stabile Rahmenbedingungen angewiesen, sondern leisten selbst einen aktiven Beitrag zu deren Sicherung über die nächsten Jahrzehnte. Zementunternehmen sehen sich in besonderer Verantwortung, um über Generationen das Erfolgsmodell Schweiz zu erhalten. Dies sind keine Lippenbekenntnisse, sondern gehören zum Selbstverständnis dieser Industrie: Seit jeher denken die «Zementer» in Generationen und nicht in Jahresquartalen. Zement ist das zentrale Bindemittel für die Herstellung von Beton, einem der robustesten, dauerhaftesten und vielseitigsten Baustoffe. Damit ist Zement unverzichtbar für den Bau und Erhalt unserer Infrastruktur. Ob Schulen, Brücken, Staudämme, Schutzbauten gegen Naturgefahren oder Tunnels: Die Generationenprojekte von heute und morgen werden mit Zement gebaut. Sie bilden das Fundament unserer funktionierenden Wirtschaft, verbinden Landesteile und überdauern Generationen. Darauf sind wir stolz!
Der Zementindustrie kommt jedoch nicht nur beim Erhalt unserer Infrastruktur und damit stabiler Rahmenbedingungen eine besondere Verantwortung für die Zukunftsfähigkeit der Schweiz zu. Als aussergewöhnlich Energie- und CO₂-intensive Industrie nimmt die Zementwirtschaft ihre Verantwortung künftigen Generationen gegenüber auch in ökologischen Dimensionen sehr ernst. Dies zeigt sich nicht nur in erheblichen Investitionen zur Reduktion der eigenen CO₂-Emissionen. Auch bei der Entsorgung von Sonderabfällen – wie z.B. den Ewigkeitschemikalien (PFAS), welche sich über Generationen negativ auf Menschen und Umwelt auswirken – können die Zementunternehmen ihren Beitrag leisten. In Zementwerken können solche Schadstoffe vollumfänglich und sicher vernichtet werden, womit wir aus Überzeugung eine nationale Vorreiterrolle übernehmen. Doch auch beim reststofffreien Einsatz alternativer Brennstoffe leistet die Industrie einen wichtigen ökologischen Beitrag, welcher der Schweiz und ihrer Umwelt zugutekommt.
Damit die Zementindustrie ihrer wichtigen Rolle nachkommen kann, braucht sie Planungs- und Investitionssicherheit. Als Traditionsbranche mit tiefer Verwurzelung in der Schweizer Industrielandschaft plant sie ihre Investitionen von mehreren hunderten Millionen Franken für den Bau von Carbon Capture Anlagen (pro Werk) langfristig. Diese setzen folglich die Bereitschaft und das Engagement der Schweizer Politik voraus, ein planbares regulatorisches Umfeld zu schaffen. Dazu zählt insbesondere auch, die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Industrie gegenüber ausländischen Konkurrenten zu sichern. Inmitten unsicherer und herausfordernder Zeiten ist die Zementindustrie bereit, mit grossem Effort einen Beitrag zur Prosperität der Schweiz zu leisten – aus Verbundenheit mit dem Schweizer Industriestandort und der Verantwortung, auch kommende Generationen mit dem wichtigen Baustoff Beton zu versorgen. Ein entsprechendes Bekenntnis wünschen wir uns von Gesellschaft, Politik und Verwaltung auch gegenüber der Zementwirtschaft. Denn nur mit gemeinsamer Anstrengung wird die Schweiz im herausfordernden globalen Umfeld ihre Stellung langfristig halten und auch künftigen Generationen jene Chancen bieten können, die uns erfolgreich machten.
Direktor cemsuisse
Präsident cemsuisse
Zement – der Baustoff für Generationen
Nicht ohne Grund ist Beton das am meisten verwendete Baumaterial der Welt. Ob in Schulen, Krankenhäusern, Brücken oder Staudämmen – Beton und damit sein Bindemittel Zement ermöglichen Bauwerke, die Generationen überdauern. Die Schweizer Zementindustrie legt mit heimischen Rohstoffen die Basis für robuste und widerstandsfähige Bauten, welche die Jahrzehnte überdauern und am Ende ihres Lebenszyklus in den Baustoffkreislauf zurückgeführt werden können.
Der Jahresbericht 2025 widmet sich dem Thema «Bauen für Generationen». Die Architekturfotografien zeigen exemplarisch, wie dank Zement einerseits für die nächste Generation moderne Infrastruktur wie das Schulhaus Hofacker in der Stadt Zürich entsteht und andererseits jahrhundertealte Kulturbauten – etwa das Schloss Rapperswil – aufgrund der Langlebigkeit des Betons bewahrt werden können.

Seit rund 800 Jahren thront das Schloss Rapperswil über dem Zürichsee. Im Jahr 2024 wurde der mittelalterliche Bau um eine moderne Betontreppe ergänzt. Park ARCH aus Zürich schaffen dabei gekonnt eine Verbindung zwischen den unterschiedlichen Generationen der Baugeschichte.

Die Treppe im Schloss Rapperswil nimmt die Form von Gletschermühlen auf und erinnert an den Linthgletscher, der die Landschaft rund um den Zürichsee prägte. Nebst seinen funktionalen Qualitäten kommt bei der Treppenkonstruktion insbesondere die ästhetische Vielseitigkeit des Betons eindrücklich zum Tragen.

Hölzerne Balkendecken und eine Jahrhunderte alte Aussenwand aus Sandstein ergänzen sich optimal mit dem zeitgenössischen Betonwerk. Bereits seit der Antike werden die Vorläufer des modernen Zements als Baustoff genutzt – und legen bis heute das Fundament für generationenübergreifendes Bauen.

Bei der Schulanlage Hofacker entstand 2021 ein Neubau für die nächste Generation: fünfzehn Schulklassen, eine Bibliothek und eine Dreifachturnhalle finden im modernen Betonbau Platz. In Verantwortung gegenüber kommenden Generationen setzte das Projekt gezielt auf CO₂-reduzierte Hybridsysteme, emissionsoptimierte Zementsorten sowie einen hohen Anteil an Recyclingbeton.

Der moderne Bau der Architekten E2A Piet Eckert und Wim Eckert ergänzt die rund 125-jährige Schulanlage Hofacker (Zürich) und fasst zwei historische Schulgebäude zu einem architektonischen Ensemble zusammen. So entsteht eine Balance zwischen dem Erhalt der historischen Bausubstanz und einem Neubau, der den heutigen räumlichen Anforderungen an ein Schulhaus entspricht.
Die Schweizer
Zementindustrie
Produktion und Absatz
Importe und Exporte von Zement und Zementanteilen
in 1’000 Tonnen
Im Jahr 2025 wurden in der Schweiz 4’217’181 Tonnen Zement verbraucht. Dies entspricht einem Pro-Kopf-Verbrauch von rund 463 Kilogramm. 3,71 Millionen Tonnen Zement wurden durch die Schweizer Zementindustrie geliefert.
Zementlieferungen nach Sorten
in Millionen Tonnen
Der Anteil an klinkereffizienten und damit CO2-reduzierten Zementen (CEM II und CEM III) nimmt seit Jahrzehnten stetig zu. Der Marktanteil von ursprünglichen Portland-Zementsorten beläuft sich inzwischen nur noch auf rund 2,2 Prozent. CEM III-Zemente werden in der Schweiz nur in geringem Masse produziert, da der dazu notwendige Hüttensand aufgrund fehlender Eisenherstellung nicht anfällt. Die in den vorangehenden Jahren unter «Andere» (CEM II/C- und ZN/D-Zemente) zusammengefassten Zementliefermengen werden für das Jahr 2025 in der Rubrik «CEM II B und CEM II/C» ausgewiesen.
Zementlieferungen (langfristige Entwicklung)
Die Schweizer Zementindustrie lieferte im Jahr 2025 3,71 Mio. Tonnen Zement. Die Lieferungen nahmen im Vergleich zum Vorjahr um 4,2 Prozent zu.
Klima und Energie
«Der entscheidende Hebel auf dem Weg hin zu Netto-Null liegt für die Zementindustrie in den Schlüsseltechnologien CCUS. Dazu braucht es eine leistungsfähige und schweizweite Transport- und Speicherinfrastruktur. Dieses Generationenprojekt von nationaler Bedeutung kann die Zementindustrie jedoch nicht allein stemmen.»
Die Zementindustrie steht hinter Netto-Null-2050
Die Zementindustrie ist bereit und in der Lage, ihre Ambitionen hin zu Netto-Null 2050 in die Realität umzusetzen. Das sind keine Lippenbekenntnisse: Seit Beginn der 90er-Jahre hat die Industrie ihre CO2-Emissionen fast halbiert.
Die CO2-Reduktion stellt die Zementproduzenten vor ganz besondere Herausforderungen. Beim Herstellungsprozess von Zement entsteht bei der Verbrennung von Kalkstein und Mergel unvermeidbar CO2 – diese chemische Reaktion ist untrennbar mit der Herstellung von Zement verbunden. Um schädliche Umweltemissionen zu reduzieren, wird der Anteil des CO2-intensiven Klinkers im Endprodukt Zement kontinuierlich verkleinert. Anstelle des Klinkers kommen in neuen Formulierungen Ersatzstoffe zum Einsatz, die den Zement gleichermassen leistungsfähig halten und seine Materialeigenschaften und Dauerhaftigkeit nicht beeinträchtigen.
Nebst den innovativen Bestrebungen bei der Reduktion des Klinkeranteils ersetzt die Zementindustrie zudem konsequent fossile mit alternativen Brennstoffen und reduziert damit die CO2-Emissionen deutlich. Dies mit dem Ziel, rund 60 Prozent biogene Brennstoffe – also nachwachsende pflanzliche und tierische Energiequellen – zu verwenden. Auch die Verwertung von Betonabbruch im Sinne der Kreislaufwirtschaft trägt wesentlich zur klimaneutralen Zukunft bei und schont die natürlichen Ressourcen. Wo technisch möglich und sinnvoll, wird das Rohmaterial aus Steinbrüchen bereits heute durch alternative Materialien ersetzt.
Die Schweizer Zementindustrie hat ihre Absichten in einer Netto-Null-Roadmap festgehalten und setzt alles daran, die Ambitionen auch unternehmerische Realität werden zu lassen. Der entscheidende Hebel liegt dabei in der Abscheidung der unvermeidbaren CO2-Emissionen am Kamin und deren dauerhafte Lagerung bzw. Verwertung. Beim sogenannten Carbon Capture Storage (CCS) oder Carbon Capture Use (CCU) handelt es sich um ein Generationenprojekt von nationaler Bedeutung. Wird das CO2 mittels chemischer Prozesse in andere Rohmaterialien wie synthetische Treibstoffe umgewandelt, spricht man von CCU. Wird das CO2 hingegen langfristig im Untergrund gespeichert, ist die Rede von CCS. Beide Varianten sind eine technologische Herkulesaufgabe, welche die Zementindustrie weder finanziell noch organisatorisch alleine stemmen kann. Einerseits stehen für die Unternehmen grosse Investitionen im Umfang von rund CHF 500 Mio. und mehr pro Anlage an, um an ihren Werken Carbon Capture Infrastruktur zu bauen. Dazu kommen hohe Aufwände und Kosten für den Betrieb der Anlagen. Dafür braucht es Planungs- und Investitionssicherheit durch stabile regulatorische Rahmenbedingungen. Andererseits bedarf es einer schweizweiten Transport- und Speicherinfrastruktur für CO2. Dazu müssen Transportwege gebaut und betrieben, einheitliche Kosten- und Qualitätsstrukturen etabliert und langfristig ein funktionierender Markt geschaffen werden. Dies kann nur im Verbund zwischen Industrie, Betreibern und dem Staat gemeistert werden. Auch die Verfügbarkeit von ausreichend CO2-freier Energie zu kompetitiven Preisen ist eine kritische Voraussetzung für die Implementierung von CCUS in der Schweiz. Die Zementindustrie ist bereit, einen wesentlichen Beitrag zum Aufbau und Betrieb dieser Schlüsseltechnologien zu leisten.
Interview Hannes Eisner
«Mit Blick auf die Auswirkungen des globalen Klimawandels, die insbesondere künftige Generationen zu spüren bekommen werden, kommt den Zementproduzenten damit in der Tat eine besondere Verantwortung zu. Ich kann Ihnen versichern: Die gesamte Branche stellt sich dieser Verantwortung mit grosser Ernsthaftigkeit und unermüdlichem Einsatz. Und dieser Haltung ist es zu verdanken, dass wir bereits viel erreicht haben.»

Zur Person
Hannes Eisner ist Managing Director von JURA Materials und gehört seit 2024 dem Vorstand von cemsuisse an. Seine Laufbahn in der Baustoffindustrie begann 1997 in einem österreichischen Familienunternehmen. In den nahezu drei Jahrzehnten seiner Tätigkeit sammelte er umfassende Erfahrung in unterschiedlichen Managementfunktionen in Österreich, Südosteuropa und Nordafrika. Nach einer beruflichen Station ausserhalb der Branche zwischen 2017 und 2023 kehrte Hannes Eisner in die Baustoffindustrie zurück und trat im März 2023 in den internationalen CRH‑Konzern ein, bevor er 2024 gemeinsam mit Klaus Födinger die Führung der JURA Materials übernahm.
Herr Eisner, dank Zement sind im letzten Jahrhundert Bauwerke entstanden, die Generationen überdauern. Gilt das auch für die Zukunft?
Trägt die Zementindustrie künftigen Generationen gegenüber eine besondere Verantwortung?
Wir gehören zu den energieintensivsten Branchen, und durch den Einsatz von Rohmaterialien und Energieträgern entstehen in unseren Produktionsprozessen zwangsläufig hohe CO₂-Emissionen. Mit Blick auf die Auswirkungen des globalen Klimawandels, die insbesondere künftige Generationen zu spüren bekommen werden, kommt den Zementproduzenten damit in der Tat eine besondere Verantwortung zu. Ich kann ihnen versichern: Die gesamte Branche stellt sich dieser Verantwortung mit grosser Ernsthaftigkeit und unermüdlichem Einsatz. Und dieser Haltung ist es zu verdanken, dass wir bereits viel erreicht haben.
Seit den 90er-Jahren haben die Schweizer Zementproduzenten ihre Emissionen um rund 50% reduziert – durch den stetig steigenden Einsatz alternativer Rohmaterialien sowie durch die kontinuierliche Erhöhung des Anteils an Substitutionsbrennstoffen, den sogenannten Alternative Fuels. Somit ist unsere Industrie auch ein immens wichtiger Bestandteil der Kreislaufwirtschaft.
Aber wir lehnen uns nicht zurück, sondern gehen diesen Weg konsequent weiter. Deshalb arbeiten wir mit Hochdruck daran, das ambitionierte Netto-Null-Ziel der Schweiz bis 2050 zu erreichen. Das stellt nicht nur für die Schweizer Zementhersteller, sondern für die gesamte europäische Zementindustrie eine echte Herkulesaufgabe dar.
Wie meinen Sie das? Was macht die CO2-Reduktion für Zementunternehmen so besonders herausfordernd?
Erlauben Sie einen kurzen Exkurs: Ein Hauptbestandteil des Zements ist der sogenannte Klinker, der durch das Brennen von Kalkstein und Mergel entsteht. Für seine Produktion sind extrem hohe Temperaturen erforderlich. Ein wesentlicher Hebel zur Reduktion von CO₂-Emissionen liegt deshalb in der laufenden, nachhaltigen Optimierung der thermischen Prozesse sowie der dafür eingesetzten Brennstoffe. Schweizweit gewinnt die Zementindustrie bereits knapp 80% der benötigten Brennenergie aus alternativen Brennstoffen.
Um jedoch Netto‑Null in der Zementproduktion zu erreichen, genügt es nicht, die fossilen Brennstoffe vollständig zu ersetzen. Rund zwei Drittel der Emissionen entstehen im Kalzinierungsprozess – einer chemischen Reaktion von Kalk und Mergel, die beim Brennen im Drehofen abläuft. Diese Reaktion ist zwingend notwendig, damit der Klinker und später der Zement ihre charakteristischen Eigenschaften entwickeln. Die dabei freigesetzten geogenen Emissionen sind unvermeidlich und machen die CO2-Reduktion in unserer Branche zu einer besonders anspruchsvollen Herausforderung, der wir unsere volle Aufmerksamkeit widmen.
Es bleiben uns also drei Möglichkeiten:
- Wir reduzieren die CO2-Emissionen im Produktionsprozess auf ein absolutes Minimum.
- Wir senken den Klinkeranteil in der Zementrezeptur auf ein Minimum und setzen CO2‑neutrale Zusatzstoffe ein, die die gewünschten Produkteigenschaften gewährleisten.
- Wir scheiden das entstehende CO2 ab und führen es einer sicheren, dauerhaften Speicherung oder Verwertung zu.
Sie reduzieren also den Anteil des CO2-intensiven Klinkers im Zement. Also wie genau?
Es gibt verschiedenste Möglichkeiten, wie man den Klinkeranteil im Endprodukt Zement reduzieren kann. Wir bei JURA Materials setzen dabei insbesondere auf kalzinierten Ton, um den Klinker im Zement zu reduzieren. Bei seiner Herstellung wird praktisch kein prozessbedingtes, geogenes CO2 freigesetzt. Darüber hinaus erfordert die deutlich tiefere Brenntemperatur von rund 800 °C wesentlich weniger Energie und damit weniger Brennstoffe als die Produktion von Klinker, bei der Temperaturen von bis zu 1450 °C notwendig sind.
Die Realität ist: Wir brauchen eine maximale Kombination aller drei Ansätze. An den ersten beiden Hebeln arbeiten wir bereits seit Jahren und setzen technologische Entwicklungen konsequent und zeitnah um. Die Abscheidung und Speicherung von CO2 hingegen befindet sich erst in der Entwicklungsphase. Hier braucht es noch deutlich mehr Klarheit und Regulierungssicherheit sowie Unterstützung durch Politik und Gesellschaft. Entsprechend ist diese Lösung in den meisten Ländern – und auch in der Schweiz – noch Zukunftsmusik.
Auf das Endprodukt Beton gerechnet – bei dem der Zement einen zentralen Einfluss auf die Qualität hat – ergibt sich pro Kubikmeter eine CO2-Reduktion von rund 20% im Vergleich zu einem klassischen Portlandzement im Hochbau. Solche Produktinnovationen setzten erhebliche Investitionen in Forschung und Entwicklung voraus. Die gesamte Branche ist gefordert, in die Entwicklung neuer Zemente zu investieren, um ihren ökologischen Fussabdruck auf das Minimum zu verkleinern. Dazu sind wir im Rahmen der Schweizer Klimapolitik ja letztendlich auch verpflichtet.
Aus meiner Sicht wäre es daher konsequent und folgerichtig, wenn der Gesetzgeber hier mit gutem Beispiel voranginge und verstärkt auf CO2 reduzierte Zemente bzw. auf daraus hergestellte Produkte setzen würde. Die öffentliche Beschaffung spielt dabei eine zentrale Rolle – sie ist ein wesentlicher Hebel, um langfristig einen Markt für klimaneutrale Baustoffe zu etablieren.
Sie sind selbst Vater. Wie optimistisch blicken Sie auf die Zukunft der nächsten Generation?
Bei der aktuellen Nachrichtenlage fällt es einem zugegeben manchmal schwer, optimistisch zu bleiben. Die geopolitischen Spannungen und wirtschaftlichen Unsicherheiten beschäftigen mich sehr. Und dennoch: Jede Generation hatte ihre Herausforderungen – das zeigt uns die Geschichte eindrücklich. Ich denke in diesen Tagen oft an die Gespräche mit meinem Grossvater zurück. Ehrlich gesagt, auch seine Generation hatte es alles andere als einfach. Wir können dankbar sein für ihre enorme Widerstandskraft und ihren unerschütterlichen Willen – denn sie haben uns gezeigt, was Zusammenhalt, Pflichtbewusstsein und der unbedingte Wille zum Vorankommen bewirken können. Vieles von dem, was wir heute als selbstverständlich betrachten, ist das Ergebnis ihres unbeirrbaren Glaubens an eine bessere Zukunft.
Wenn ich aber sehe – und man kann die Dinge immer positiv oder negativ betrachten –, welche engagierte und motivierte Generation nachwächst, bin ich sehr zuversichtlich. Ich erlebe junge Menschen mit Visionen, mit kreativem Erfindergeist, unternehmerischem Antrieb und einem ausgeprägten Gestaltungs-, ja sogar Mitgestaltungswillen.
Da kommt eine selbstbewusste, wissbegierige und zugleich achtsame Generation nach, die sich klar positioniert. Natürlich: Sie wird andere Herausforderungen zu meistern haben als wir – aber sie geht diese mit einer beeindruckenden Haltung an.
Wenn ich auf unsere jungen Kolleginnen und Kollegen im Unternehmen blicke, spüre ich trotz aller Herausforderungen auf dem Weg zu Netto‑Null eine beeindruckend positive Energie. Genau das stimmt mich wirklich optimistisch. Für uns Führungskräfte ist es zentral, diese Generation zu begleiten, sie mit Erfahrung zu unterstützen und so zu empowern, dass ihre Energie und Innovationskraft in nachhaltige, ganzheitliche Lösungen fliesst. Ihre Haltung und ihr Bewusstsein lassen mich trotz aktueller Unsicherheiten zuversichtlich in die Zukunft blicken.
Alternative Brenn- und Rohstoffe in der Zementindustrie
«In der Zementindustrie gehen die ökologischen und ökonomischen Vorteile der Abfallverwertung Hand in Hand. Mit ausreichend gesetzlichem Spielraum kann die Industrie einen noch wichtigeren Beitrag bei der Entsorgung von Sonderabfällen leisten – beispielsweise bei der Vernichtung von PFAS.»
Kaum eine Branche verwertet Abfälle so umfassend wie die Schweizer Zementindustrie. Sie nutzt Hitze und Rohstoffe zugleich und macht aus Stoffen, die anderswo problematisch wären, wertvolle Bestandteile eines neuen Produkts. Damit ist die Zementindustrie eine häufig unterschätzte Schlüsselindustrie der Schweizer Abfallwirtschaft. Für die Herstellung von Zement sind enorm hohe Temperaturen notwendig, welche durch die Erhitzung von Brennstoffen im Ofen erreicht werden. Statt der früher eingesetzten fossilen Brennstoffe kommen heute mehrheitlich alternative Brennstoffe zum Einsatz. Dazu werden Abfälle wie Kunststoff, Altöl oder Altreifen besonders effizient verbrannt. Auch organische Materialien wie Biomasse, Tiermehl oder Holzreste – sogenannte biogene Brennstoffe – werden bei der Zementproduktion ökologisch sinnvoll genutzt. Die Besonderheit im Vergleich zu anderen Verbrennanlagen: Abfälle werden sowohl thermisch wie auch stofflich verwertet. Das bedeutet, dass nicht nur Wärme im Ofen erzeugt wird, sondern die Wertstoffe aus dem Abfall auch gleich Teil des Produkts Zement werden. So fallen keine schädlichen Reststoffe mehr an. Mit der neuen, gesetzlich verankerten Abfallhierarchie wird diese stofflich-energetische Verwertung gegenüber der rein thermischen Verbrennung nun auch regulatorisch bevorzugt. Ein wichtiger Schritt, damit die Zementindustrie ihren ökologischen Beitrag für die Schweiz bestmöglich leisten kann.
Doch nicht nur bei der Frage der Brennstoffe setzt die Industrie zunehmend auf Alternativen. Um einerseits die primären Ressourcen wie Kalkstein und Mergel zu schonen und gleichzeitig den CO2-intensiven Klinkeranteil im Zement zu reduzieren, erforschen und entwickeln die Zementhersteller seit langer Zeit verschiedene Materialien, welche anstelle des Klinkers im Zement eingesetzt werden können. Dabei setzt sie auf Sekundärrohstoffe, die einen doppelten Nutzen bringen: Sie ersetzen nicht nur den Klinker, sondern verwerten auch Neben- und Abfallprodukte aus anderen Industrien – ohne Einbussen bei den positiven Produkteigenschaften des Zements in Kauf zu nehmen. Auch Mischabbruch oder kalzinierter Ton finden als alternative Rohstoffe den Weg in moderne Zementrezepturen.
Über die Verwertung von Abfällen als alternative Brennstoffe hinaus, kommt der Zementindustrie in Zukunft eine noch bedeutendere gesamtgesellschaftliche Rolle zu. Sogenannte Ewigkeitschemikalien, kurz PFAS (per- und polyfluorierte Alkylverbindungen) sind in aller Munde, da sie trotz zahlreicher vorteilhafter Eigenschaften auch gesundheits- und umweltschädliche Effekte haben. Die Unsicherheiten im Umgang mit PFAS wachsen in der Gesellschaft und Politik rasant. Eine der wohl drängendsten Fragen betrifft die Entsorgung der Chemikalien. Hier bietet die Zementindustrie eine in der Schweiz einzigartige Lösung: Die enorm hohen Temperaturen in Kombination mit einer vorteilhaften Calzium-Prozessatmosphäre machen die Zementproduktion zum idealen Partner für die kontrollierte Beseitigung von PFAS. Die Schweizer Zementunternehmen haben Analysen und Messungen bei der Entsorgung von PFAS durchgeführt und kommen zu einem erfreulichen Ergebnis: Nach Aufgabe der PFAS-kontaminierten Materialien an der Hauptflamme bei Temperaturen von ca. 1500°C werden über 99,9 Prozent der PFAS-Moleküle zerstört und sind im Abgasstrom nicht mehr nachweisbar. Die Chemikalien, die ansonsten aufwändig deponiert oder im Ausland entsorgt werden müssten, werden reststofffrei vernichtet. Damit eröffnet sich der Schweiz dank der Zementwirtschaft eine grosse Opportunität bei der Bewältigung der PFAS-Problematik.
Die Schweizer Zementindustrie ist sich dieser besonderen Verantwortung im Bereich PFAS bewusst und bietet sich als Teil der Lösung zugunsten von Gesellschaft und Umwelt an. Dazu müssen die politischen Forderungen auf allen Staatsebenen sinnvoll koordiniert und in enger Absprache mit den betroffenen Branchen umgesetzt werden. Bei der Klärung der zahlreichen technischen Fragen übernehmen die Zementhersteller proaktiv eine Vorreiterrolle und führen systematische Analysen und Messungen durch.
Ob bei Brenn- oder Rohstoffen: Die Schweizer Zementindustrie setzt auf Alternativen und schafft damit als Partnerin der Abfallwirtschaft ökologischen und gesellschaftlichen Mehrwert. Nur in wenigen Industrien gehen solch positive Umwelteffekte Hand in Hand mit dem eigenen unternehmerischen Antrieb und ökonomischen Handeln. Die Unternehmen wären bereit, weitere alternative Brenn- und Rohstoffe zu nutzen und damit zusätzliche Mengen an Abfall (häufig Sonderabfälle) sinnvoll zu verwerten. Die geltenden gesetzlichen Rahmenbedingungen schränken dies jedoch häufig allzu stark ein. Politik und Behörden sind demnach gefordert, die Schweizer Abfallströme so zu öffnen, dass der ökologische und ökonomische Nutzen für die Gesellschaft und die Wirtschaft gleichermassen maximiert wird.
Forschungsförderung
«cemsuisse engagiert sich vielseitig in der angewandten Erforschung von innovativen Lösungen im Bereich der Zementherstellung und der Betonanwendung. Eine möglichst umweltschonende Herstellung und die das nachhaltige Bauen mit Beton stehen dabei im Fokus.»
cemsuisse-Forschungsförderung 2025
cemsuisse engagiert sich bei der Umsetzung und Weiterentwicklung der ambitionierten Ziele der Zement- und Betonindustrie in den Themengebieten Nachhaltigkeit, Normen und Technik unter anderem durch die aktive und finanzielle Unterstützung von herausragenden Forschungsarbeiten. Auch hierbei bildet die Kreislaufwirtschaft und deren Umsetzung in der Zement- und Betonbranche einen wichtigen Pfeiler.
| Projektnehmer | Organisation | Titel | Beschrieb |
|---|---|---|---|
| Winnie Matthes et al. | TFB | Karbonatisierungswiderstand von Hochbaubeton: Prüfungen an Musterbauteilen und zugehörigen Laborprüfkörpern nach 5 Jahren | Dieses Forschungsprojekt beschäftigt sich mit der Charakterisierung von Musterwänden, die fünf Jahre eingelagert wurden. Neben dem Karbonatisierungswiderstand werden auch Druckfestigkeit und Wasserleitfähigkeit an den Bauteilen untersucht. |
Dr. Gisela Weibel et al. | Universität Bern | KVA-Schlacken in Betonanwendungen | In diesem Projekt wird durch die Universität Bern eine Machbarkeitsstudie zur Einsetzbarkeit von KVA-Aschen in Betonanwendungen durchgeführt. Dabei soll das sinnvolle Schliessen von Kreisläufen untersucht werden, ohne dabei eine Schwermetallsenke im Beton zu kreieren. |
| Dr. Gisela Weibel et al. | Universität Bern | Optimierte Deponierung von Holzaschen | Das Projekt will Lösungen zum optimalen und sicheren Einbau von Holzaschen auf Deponien erarbeiten. Dafür arbeiten die Produzenten von Holzaschen mit kantonalen und bundesstaatlichen Behörden sowie Deponiebetreiber zusammen. |
| Dominik Wlodarczak et al. | CO2 Pipeline Schweiz AG | Studie zum optimalen Design einer CO2-Pipeline | Die CO2 Pipeline Schweiz AG stellt die Entwicklung einer CO2 Logistikinfrastruktur in Aussicht. In diesem ersten Teilprojekt soll das optimale Design einer Pipeline zwischen Zürich und Basel erarbeitet werden. Berücksichtigt werden dabei technische Details, Anschluss an die Pipeline, CAPEX- und OPEX-Intensität sowie die Anbindung an das europäische Netz. |
Betonsuisse
«Beton ist nicht nur ein Baustoff, sondern ein Rohstoff im Kreislauf. Indem wir ihn wiederverwerten, schaffen wir nachhaltige Lösungen und zeigen, wie Innovation und Verantwortung in der Bauwirtschaft Hand in Hand gehen.»
Beton bleibt im Kreislauf
Wer natürliche Ressourcen und knappe Landreserven schonen will, muss in geschlossenen Kreisläufen denken. Die Schweizer Zement- und Betonindustrie setzt dieses Prinzip seit Jahrzehnten um. Fachleute in spezialisierten Werken zerkleinern und bereiten Beton sorgfältig auf. Anschliessend führen sie das Material als Beton- und Mischgranulat wieder in den Baustoffkreislauf zurück.
Der Rückbau von Betonbauwerken schafft die Grundlage für ein nachhaltiges Recycling. Heute werden bis zu 85 Prozent des rückgebauten Betons in der Schweiz wiederverwertet – ein Spitzenwert in Europa. Dieser Erfolg ist kein Zufall und gelingt, weil Bauunternehmen, Architekturbüros, Ingenieurteams und Bauherrschaften seit Jahren eng zusammenarbeiten und immer wieder neue Lösungen entwickeln.
Ein Meilenstein gelang im Jahr 2004 mit dem Schulhaus «Im Birch» in Zürich, das als Pilotprojekt fast ausschliesslich mit Recyclingbeton (RC-Beton) gebaut wurde. Der Baustoff bestand damals aus 45 Prozent Betongranulat, 46 Prozent aufbereiteter Gesteinskörnung aus der Bodenwäsche und lediglich 9 Prozent Primärmaterial. Seither wurde das Recycling kontinuierlich verbessert – mit Erfolg.
RC-Beton – bewährt und nachhaltig
RC-Beton ist längst fester Bestandteil in vielen Projekten. Besonders im Hochbau (Neubau und Sanierung), wo rund 80 Prozent des Betons zum Einsatz kommt, kann RC-Beton ohne Einschränkungen eingesetzt werden. In seiner äusseren Erscheinung unterscheidet sich RC-Beton nicht von herkömmlichem Beton und auch hinsichtlich seiner material- und tragwerksrelevanten Eigenschaften eignet er sich für den breiten Einsatz im Hochbau. Moderne RC-Betone sind auf Dauerhaftigkeit und Tragfähigkeit ausgelegt und eignen sich gut für zahlreiche anspruchsvolle Bauprojekte.
Die Betonhersteller haben ihre Rezepturen mittlerweile so angepasst, dass RC-Betone gegenüber Primärbeton keine ökologischen Einbussen mit sich bringen. Zudem bieten Fortschritte in der CO2-Speicherung, bei der Betongranulat gezielt mit CO2 angereichert wird, weiteres Potenzial, um Beton klimafreundlicher zu machen.
Geschlossene Kreisläufe für eine nachhaltige Zukunft
Beton spielt eine Schlüsselrolle im Bauwesen und für eine nachhaltige Zukunft. Er ermöglicht stabile Wasserversorgungssysteme, sichere Verkehrswege und eine zuverlässige Energieversorgung. Auch energieeffiziente Wohnräume für eine wachsende Bevölkerung und Bauwerke für erneuerbare Energien, wie Wasserkraftwerke, entstehen aus Beton.
Entscheidend ist, dass Beton nicht nur vielseitig einsetzbar ist, sondern dass seine Vorteile auch im Zusammenspiel mit anderen Baustoffen zum Tragen kommen. Wer ihn in geschlossenen Kreisläufen denkt und einsetzt, schont Ressourcen und reduziert Abfälle.
Die Schweiz hat früh die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft im Bausektor erkannt und erfolgreich entsprechende Massnahmen ergriffen. Gesetzliche Vorgaben fördern heute das Recycling von Baumaterialien und die öffentliche Hand geht bei der Vergabe von Bauwerken mit RC-Beton mit gutem Beispiel voran. Zudem arbeitet die Zement- und Betonindustrie eng mit Bauunternehmen, Architekturbüros und Ingenieurbüros zusammen, um innovative Lösungen für die Wiederverwertung von Beton zu entwickeln. So entstehen Bauwerke, die ökologisch, ökonomisch und technisch überzeugen.
Über uns
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Nachhaltigkeit am Bau
Lukas Epple (Vorsitz)
Dr. Matthias Dahlkamp
Emanuel Meyer
Cyrill Spirig
Stephan Sollberger
Dr. Stefan Vannoni
Dr. Clemens Wögerbauer
Vorstand

Präsident
Dr. Gerhard Pfister
Nationalrat

Vizepräsident
Marco Maccarelli
CEO, Holcim Central Europe West

Vorstandsmitglied
Olivier Barbery
COO, Vigier Holding AG

Vorstandsmitglied
Hannes Eisner
Managing Director Jura Materials

Vorstandsmitglied
Lukas Epple
COO & Head of Strategy at Vicat Group

Vorstandsmitglied
Klaus Födinger
Managing Director Jura Management AG

Vorstandsmitglied
Markus Rentsch
Head Cement Industrial Holcim Central Europe West






